Nachrichten | Zwillinge zu bekommen bedeutet keine außergewöhnlich hohe Fruchtbarkeit: Neue Forschung stellt das traditionelle Bild besonders fruchtbarer Mütter infrage
Nachrichten | Zwillinge zu bekommen bedeutet keine außergewöhnlich hohe Fruchtbarkeit: Neue Forschung stellt das traditionelle Bild besonders fruchtbarer Mütter infrage
Lange Zeit galt weithin die Annahme, dass Frauen, die Zwillinge empfangen, von Natur aus außergewöhnlich fruchtbar sind. Eine systematische Analyse von Geburtsaufzeichnungen von mehr als 100,000 europäischen Frauen zwischen 1700 und 1899 widerlegt diese Ansicht jedoch.
Die Studie ergab, dass Zwillinge keine ungewöhnlich hohe Fruchtbarkeit anzeigen. Tatsächlich hatten Zwillingsmütter insgesamt häufig eine geringere Fruchtbarkeit.
Drei Jahrhunderte historische Daten und rigorose Methoden
Die Studie nutzte jahrhundertelange historische Bevölkerungsdaten über Frauen im vorindustriellen Europa. Vollständige Geburtsaufzeichnungen und die begrenzten medizinischen Eingriffe dieser Zeit boten eine ideale Stichprobe des natürlichen menschlichen Fortpflanzungsverhaltens. Frühere Studien unterschieden häufig nicht zwischen häufigem Eisprung und einer größeren Zahl von Schwangerschaften, wodurch ihre Ergebnisse leicht falsch interpretiert werden konnten.
Die neue Studie verbesserte ihre Modellierungs- und statistischen Methoden erheblich und trennte diese beiden Faktoren erstmals klar voneinander. Sie ergab, dass die Wahrscheinlichkeit von Zwillingen eng mit der Zahl der Schwangerschaften – den kumulativen Gelegenheiten für eine Empfängnis – zusammenhing und nicht mit der Ovulationsfunktion oder der Fruchtbarkeit selbst.
„Wir stellten fest, dass Frauen mit höherer Wahrscheinlichkeit Zwillinge bekamen, tatsächlich insgesamt weniger Kinder hatten“, erklärte der Studienautor I.J. Rickard.
Warum wurden Zwillinge nicht durch die natürliche Selektion verdrängt?
Die Studie untersuchte außerdem, warum Mehrlingsschwangerschaften trotz ihrer größeren Risiken und Belastungen fortbestehen.
Die Forschenden schlugen zwei mögliche evolutionäre Kompensationsmechanismen vor:
Ein doppelter Eisprung kann die reproduktive Alterung ausgleichen: Wenn die Fruchtbarkeit mit zunehmendem Alter abnimmt, kann ein gelegentlicher doppelter Eisprung den Körper physiologisch kompensieren, indem er die Wahrscheinlichkeit einer Empfängnis und damit von Zwillingen erhöht.
Bei höherer Überlebensrate von Zwillingen können diese die Gesamtzahl der überlebenden Kinder erhöhen: Unter relativ guten medizinischen Bedingungen oder bei besserer individueller Gesundheit ermöglichen Zwillinge mehr Kinder aus weniger Schwangerschaften. So bleibt die reproduktive Leistung höher, während die Gesamtzahl der Schwangerschaften sinkt.
Dies könnte erklären, warum Mehrlingsschwangerschaften im Laufe der Evolution nicht vollständig verdrängt wurden.
Zwillinge spiegeln eine kumulierte Wahrscheinlichkeit wider, keine außergewöhnliche Fähigkeit
Aus Sicht der Evolutionsbiologie liegt die zentrale Aussage der Studie darin, dass Zwillinge kein Zeichen einer reproduktiven „Superkraft“ sind, sondern das gemeinsame Ergebnis komplexer physiologischer und statistischer Faktoren. Mit anderen Worten: Zwillinge spiegeln häufiger die kumulierte Wahrscheinlichkeit von Fortpflanzungsereignissen wider als eine außergewöhnliche individuelle Fruchtbarkeit.
Die Studie warnt die Öffentlichkeit und medizinisches Fachpersonal davor, Mehrlingsgeburten als Beleg für eine hohe Fruchtbarkeit zu interpretieren. Insbesondere in der assistierten Reproduktion und bei der pränatalen Beratung sollte eine frühere Zwillingsgeburt nicht als Hinweis auf eine künftig hohe Fruchtbarkeit betrachtet werden.
Nachrichten | Zwillinge zu bekommen bedeutet keine außergewöhnlich hohe Fruchtbarkeit: Neue Forschung stellt das traditionelle Bild besonders fruchtbarer Mütter infrage
Nachrichten | Zwillinge zu bekommen bedeutet keine außergewöhnlich hohe Fruchtbarkeit: Neue Forschung stellt das traditionelle Bild besonders fruchtbarer Mütter infrage
Lange Zeit galt weithin die Annahme, dass Frauen, die Zwillinge empfangen, von Natur aus außergewöhnlich fruchtbar sind. Eine systematische Analyse von Geburtsaufzeichnungen von mehr als 100,000 europäischen Frauen zwischen 1700 und 1899 widerlegt diese Ansicht jedoch.
Die Studie ergab, dass Zwillinge keine ungewöhnlich hohe Fruchtbarkeit anzeigen. Tatsächlich hatten Zwillingsmütter insgesamt häufig eine geringere Fruchtbarkeit.
Drei Jahrhunderte historische Daten und rigorose Methoden
Die Studie nutzte jahrhundertelange historische Bevölkerungsdaten über Frauen im vorindustriellen Europa. Vollständige Geburtsaufzeichnungen und die begrenzten medizinischen Eingriffe dieser Zeit boten eine ideale Stichprobe des natürlichen menschlichen Fortpflanzungsverhaltens. Frühere Studien unterschieden häufig nicht zwischen häufigem Eisprung und einer größeren Zahl von Schwangerschaften, wodurch ihre Ergebnisse leicht falsch interpretiert werden konnten.
Die neue Studie verbesserte ihre Modellierungs- und statistischen Methoden erheblich und trennte diese beiden Faktoren erstmals klar voneinander. Sie ergab, dass die Wahrscheinlichkeit von Zwillingen eng mit der Zahl der Schwangerschaften – den kumulativen Gelegenheiten für eine Empfängnis – zusammenhing und nicht mit der Ovulationsfunktion oder der Fruchtbarkeit selbst.
„Wir stellten fest, dass Frauen mit höherer Wahrscheinlichkeit Zwillinge bekamen, tatsächlich insgesamt weniger Kinder hatten“, erklärte der Studienautor I.J. Rickard.
Warum wurden Zwillinge nicht durch die natürliche Selektion verdrängt?
Die Studie untersuchte außerdem, warum Mehrlingsschwangerschaften trotz ihrer größeren Risiken und Belastungen fortbestehen.
Die Forschenden schlugen zwei mögliche evolutionäre Kompensationsmechanismen vor:
Ein doppelter Eisprung kann die reproduktive Alterung ausgleichen: Wenn die Fruchtbarkeit mit zunehmendem Alter abnimmt, kann ein gelegentlicher doppelter Eisprung den Körper physiologisch kompensieren, indem er die Wahrscheinlichkeit einer Empfängnis und damit von Zwillingen erhöht.
Bei höherer Überlebensrate von Zwillingen können diese die Gesamtzahl der überlebenden Kinder erhöhen: Unter relativ guten medizinischen Bedingungen oder bei besserer individueller Gesundheit ermöglichen Zwillinge mehr Kinder aus weniger Schwangerschaften. So bleibt die reproduktive Leistung höher, während die Gesamtzahl der Schwangerschaften sinkt.
Dies könnte erklären, warum Mehrlingsschwangerschaften im Laufe der Evolution nicht vollständig verdrängt wurden.
Zwillinge spiegeln eine kumulierte Wahrscheinlichkeit wider, keine außergewöhnliche Fähigkeit
Aus Sicht der Evolutionsbiologie liegt die zentrale Aussage der Studie darin, dass Zwillinge kein Zeichen einer reproduktiven „Superkraft“ sind, sondern das gemeinsame Ergebnis komplexer physiologischer und statistischer Faktoren. Mit anderen Worten: Zwillinge spiegeln häufiger die kumulierte Wahrscheinlichkeit von Fortpflanzungsereignissen wider als eine außergewöhnliche individuelle Fruchtbarkeit.
Die Studie warnt die Öffentlichkeit und medizinisches Fachpersonal davor, Mehrlingsgeburten als Beleg für eine hohe Fruchtbarkeit zu interpretieren. Insbesondere in der assistierten Reproduktion und bei der pränatalen Beratung sollte eine frühere Zwillingsgeburt nicht als Hinweis auf eine künftig hohe Fruchtbarkeit betrachtet werden.
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