Ratgeber | Fisch in der Schwangerschaft: Debatte über Ernährung und Quecksilberbelastung
In den Vereinigten Staaten ist die Frage, ob Schwangere Fisch essen sollten und in welcher Menge, zu einem Gegenstand intensiver gesundheitspolitischer Debatten geworden. Fisch liefert hochwertiges Protein und Omega-3-Fettsäuren, die für die Entwicklung von Gehirn und Nervensystem des Fötus unerlässlich sind. Eine Quecksilberbelastung bestimmter Arten kann jedoch das Nervensystem des Fötus schädigen und langfristige Probleme wie Lernstörungen verursachen. Das richtige Gleichgewicht zu finden, ist unter politischen Entscheidungsträgern, Ärzten, Verbrauchern und der Fischereiwirtschaft umstritten.
Risiken einer Quecksilberbelastung
Quecksilber stammt hauptsächlich aus Emissionen von Fabriken und Kraftwerken und gelangt über Flüsse und Ozeane in die Nahrungskette. Die U.S. Food and Drug Administration (FDA) veröffentlichte im vergangenen Jahr Empfehlungen, nach denen Schwangere Hai, Schwertfisch, Königsmakrele und Ziegelfisch meiden sollten, da der Quecksilbergehalt dieser besonders riskanten Fische im Allgemeinen 1 ppm überschreitet.
Im Mittelpunkt der Kontroverse steht Thunfisch. FDA-Tests ergaben durchschnittliche Quecksilberwerte von 0.32 ppm in Thunfischsteaks und 0.17 ppm in Dosenthunfisch – deutlich weniger als in Haien und ähnlichen Arten. Thunfisch ist jedoch der beliebteste Fisch in den Vereinigten Staaten und wird in großen Mengen verzehrt. Das führt zu der Debatte, ob Empfehlungen für die Schwangerschaft seinen Verzehr begrenzen sollten.
FDA und die Thunfischindustrie
Die Environmental Working Group (EWG) warf der FDA vor, sich vor der Veröffentlichung ihrer Empfehlungen mit Vertretern der Thunfischindustrie getroffen und anschließend Mengenbegrenzungen für Thunfisch aus der endgültigen Mitteilung entfernt zu haben. Veröffentlichten Dokumenten zufolge empfahl ein früher FDA-Entwurf Schwangeren, pro Woche höchstens 12 Unzen Dosenthunfisch oder 3 Unzen Thunfischsteak zu essen. Nach der Einflussnahme der Industrie wurde die Warnung zurückgezogen.
Die FDA erklärte, Fokusgruppen hätten gezeigt, dass strengere Begrenzungen viele Schwangere dazu bringen könnten, ganz auf Fisch zu verzichten. Dadurch würden sie seine Ernährungsvorteile verpassen und möglicherweise die Gesundheit des Fötus beeinträchtigen. Die EWG entgegnete, die befragten Schwangeren seien bereit gewesen, klare Empfehlungen zu befolgen, und warf der FDA vor, die Interessen der Industrie über die öffentliche Gesundheit zu stellen.
Ernährung und Risiko abwägen
Neuere Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass auch ein zu geringer Fischverzehr während der Schwangerschaft Risiken bergen kann. Eine dänische Kohortenstudie ergab, dass ein geringer Fischverzehr mit höheren Raten an Frühgeburten und niedrigem Geburtsgewicht verbunden war. Daniel Lasser, MD, Leiter der Geburtshilfe am Weill Cornell Medical College in New York, sagte: „Fisch ist in der Schwangerschaft eine wichtige Nährstoffquelle, insbesondere verbreitete Sorten wie Thunfisch. Die Frage ist nicht, ob man ihn essen sollte, sondern wie man ihn sicher isst.“
Er wies darauf hin, dass US-Strategien zur Förderung von Folsäure in der Schwangerschaft die Häufigkeit von Spina bifida deutlich gesenkt hätten. Ebenso könnten wissenschaftlich entwickelte und transparente Empfehlungen zum Gesundheitsschutz die Quecksilberbelastung reduzieren. Ohne präzise Daten bleibt jedoch erhebliche Unsicherheit darüber, welche Menge als sicher gilt.
Uneinigkeit unter Wissenschaftlern und Aufsichtsbehörden
Die FDA setzt den Quecksilbergrenzwert bei 1 ppm an, während die U.S. Environmental Protection Agency (EPA) und die National Academy of Sciences einen strengeren, gewichtsbezogenen Grenzwert von höchstens 0.1 Mikrogramm pro Kilogramm und Tag verwenden. Die EWG ist der Ansicht, dass der strengere Standard Schwangere und Föten besser schützt. Daten der Centers for Disease Control and Prevention (CDC) zeigen außerdem, dass bei etwa 10% der Frauen in den USA die Quecksilberwerte nahe am Risikoschwellenwert liegen.
Angesichts der ungelösten wissenschaftlichen Uneinigkeit und der wechselnden politischen Vorgaben sagte Dr. Lasser: „Schwangere brauchen klare, wissenschaftlich fundierte Empfehlungen und nicht die Last, Ernährung und Risiken allein abwägen zu müssen.“
Ratgeber | Fisch in der Schwangerschaft: Debatte über Ernährung und Quecksilberbelastung
Ratgeber | Fisch in der Schwangerschaft: Debatte über Ernährung und Quecksilberbelastung
In den Vereinigten Staaten ist die Frage, ob Schwangere Fisch essen sollten und in welcher Menge, zu einem Gegenstand intensiver gesundheitspolitischer Debatten geworden. Fisch liefert hochwertiges Protein und Omega-3-Fettsäuren, die für die Entwicklung von Gehirn und Nervensystem des Fötus unerlässlich sind. Eine Quecksilberbelastung bestimmter Arten kann jedoch das Nervensystem des Fötus schädigen und langfristige Probleme wie Lernstörungen verursachen. Das richtige Gleichgewicht zu finden, ist unter politischen Entscheidungsträgern, Ärzten, Verbrauchern und der Fischereiwirtschaft umstritten.
Risiken einer Quecksilberbelastung
Quecksilber stammt hauptsächlich aus Emissionen von Fabriken und Kraftwerken und gelangt über Flüsse und Ozeane in die Nahrungskette. Die U.S. Food and Drug Administration (FDA) veröffentlichte im vergangenen Jahr Empfehlungen, nach denen Schwangere Hai, Schwertfisch, Königsmakrele und Ziegelfisch meiden sollten, da der Quecksilbergehalt dieser besonders riskanten Fische im Allgemeinen 1 ppm überschreitet.
Im Mittelpunkt der Kontroverse steht Thunfisch. FDA-Tests ergaben durchschnittliche Quecksilberwerte von 0.32 ppm in Thunfischsteaks und 0.17 ppm in Dosenthunfisch – deutlich weniger als in Haien und ähnlichen Arten. Thunfisch ist jedoch der beliebteste Fisch in den Vereinigten Staaten und wird in großen Mengen verzehrt. Das führt zu der Debatte, ob Empfehlungen für die Schwangerschaft seinen Verzehr begrenzen sollten.
FDA und die Thunfischindustrie
Die Environmental Working Group (EWG) warf der FDA vor, sich vor der Veröffentlichung ihrer Empfehlungen mit Vertretern der Thunfischindustrie getroffen und anschließend Mengenbegrenzungen für Thunfisch aus der endgültigen Mitteilung entfernt zu haben. Veröffentlichten Dokumenten zufolge empfahl ein früher FDA-Entwurf Schwangeren, pro Woche höchstens 12 Unzen Dosenthunfisch oder 3 Unzen Thunfischsteak zu essen. Nach der Einflussnahme der Industrie wurde die Warnung zurückgezogen.
Die FDA erklärte, Fokusgruppen hätten gezeigt, dass strengere Begrenzungen viele Schwangere dazu bringen könnten, ganz auf Fisch zu verzichten. Dadurch würden sie seine Ernährungsvorteile verpassen und möglicherweise die Gesundheit des Fötus beeinträchtigen. Die EWG entgegnete, die befragten Schwangeren seien bereit gewesen, klare Empfehlungen zu befolgen, und warf der FDA vor, die Interessen der Industrie über die öffentliche Gesundheit zu stellen.
Ernährung und Risiko abwägen
Neuere Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass auch ein zu geringer Fischverzehr während der Schwangerschaft Risiken bergen kann. Eine dänische Kohortenstudie ergab, dass ein geringer Fischverzehr mit höheren Raten an Frühgeburten und niedrigem Geburtsgewicht verbunden war. Daniel Lasser, MD, Leiter der Geburtshilfe am Weill Cornell Medical College in New York, sagte: „Fisch ist in der Schwangerschaft eine wichtige Nährstoffquelle, insbesondere verbreitete Sorten wie Thunfisch. Die Frage ist nicht, ob man ihn essen sollte, sondern wie man ihn sicher isst.“
Er wies darauf hin, dass US-Strategien zur Förderung von Folsäure in der Schwangerschaft die Häufigkeit von Spina bifida deutlich gesenkt hätten. Ebenso könnten wissenschaftlich entwickelte und transparente Empfehlungen zum Gesundheitsschutz die Quecksilberbelastung reduzieren. Ohne präzise Daten bleibt jedoch erhebliche Unsicherheit darüber, welche Menge als sicher gilt.
Uneinigkeit unter Wissenschaftlern und Aufsichtsbehörden
Die FDA setzt den Quecksilbergrenzwert bei 1 ppm an, während die U.S. Environmental Protection Agency (EPA) und die National Academy of Sciences einen strengeren, gewichtsbezogenen Grenzwert von höchstens 0.1 Mikrogramm pro Kilogramm und Tag verwenden. Die EWG ist der Ansicht, dass der strengere Standard Schwangere und Föten besser schützt. Daten der Centers for Disease Control and Prevention (CDC) zeigen außerdem, dass bei etwa 10% der Frauen in den USA die Quecksilberwerte nahe am Risikoschwellenwert liegen.
Angesichts der ungelösten wissenschaftlichen Uneinigkeit und der wechselnden politischen Vorgaben sagte Dr. Lasser: „Schwangere brauchen klare, wissenschaftlich fundierte Empfehlungen und nicht die Last, Ernährung und Risiken allein abwägen zu müssen.“
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