Nachrichten | Warum altern Eizellen schneller? Studie gibt Hinweise auf das ovarielle Mikromilieu
Eine neue Studie der University of California, San Francisco (UCSF) hat ein bislang verborgenes „Ökosystem“ im Eierstock sichtbar gemacht. Sie legt nahe, dass das Tempo, mit dem Eizellen von Frauen altern, möglicherweise nicht nur von ihrer Anzahl und Qualität abhängt, sondern auch stark vom lokalen ovariellen Mikromilieu.
Seit Langem ist bekannt, dass die weibliche Fruchtbarkeit ab Ende der 20er-Jahre rasch abnimmt, was meist auf eine sinkende Eizellzahl und nachlassende genetische Qualität zurückgeführt wird. Diese Studie zeigt jedoch, dass der Eierstock kein bloßes „Eizelllager“ ist, sondern ein komplexes Netzwerk aus verschiedenen Zellen, Nerven, stützenden Strukturen und Immunreaktionen. Die Erkenntnisse könnten auf neue Möglichkeiten hindeuten, die Alterung der Eierstöcke zu verlangsamen, die Fruchtbarkeit zu erhalten und sogar die Menopause hinauszuzögern.
Unter der Leitung der UCSF-Forscherinnen Eliza Gaylord und Diana Laird entwickelte das Team eine neue 3D-Bildgebungstechnik, die die räumliche Verteilung von Eizellen in intaktem Gewebe sichtbar macht, ohne den Eierstock in dünne Schnitte zu zerlegen. Überraschenderweise waren die Eizellen nicht gleichmäßig verteilt, sondern gruppiert. Dies deutet darauf hin, dass Unterschiede in der Umgebung verschiedener Bereiche des Eierstocks die Reifung und Alterung der Eizellen beeinflussen können.
Das Team nutzte außerdem die Einzelzell-Transkriptomik, um mehr als 100,000 Zellen aus Eierstöcken von Mäusen und Menschen zu analysieren. Die Proben umfassten Mäuse im Alter von 2 bis 12 Monaten sowie Frauen im Alter von 23, 30, 37 und 58. Die Analyse identifizierte 11 übergeordnete Zelltypen, darunter mehrere wichtige Bestandteile, denen im Eierstock bislang wenig Aufmerksamkeit geschenkt worden war.
Besonders bemerkenswert war der Nachweis gliaähnlicher Gehirnzellen und sympathischer Nerven im Eierstock, die die Kampf-oder-Flucht-Reaktion steuern. Die Entfernung sympathischer Nerven reduzierte bei Mäusen die Zahl reifer Eizellen deutlich. Dies deutet darauf hin, dass diese Nerven mitbestimmen könnten, welche Eizellen zu wachsen beginnen.
Eine weitere wichtige Erkenntnis war, dass strukturell stützende Fibroblasten mit zunehmendem Alter abnehmen und eng mit Entzündungen und Narbenbildung in den Eierstöcken von Frauen in ihren 50er-Jahren zusammenhängen. Das Team schlug daher vor, dass die Alterung der Eierstöcke nicht durch einen einzelnen Faktor verursacht wird, sondern durch systemische Veränderungen im gesamten Gewebeökosystem.
Laird wies darauf hin, dass die großen Ähnlichkeiten zwischen der Alterung der Eierstöcke bei Mäusen und Menschen eine Grundlage dafür bilden, Labortiere zur eingehenden Untersuchung der menschlichen ovariellen Alterung einzusetzen. „Nur wenn wir verstehen, wie der Eierstock das Tempo der Alterung bestimmt, können wir Behandlungen entwickeln, die sie wirklich verlangsamen oder sogar umkehren.“
Mögliche künftige Ansätze umfassen die Regulierung der Aktivität sympathischer Nerven in den Eierstöcken, um den Eizellverlust zu verlangsamen, das reproduktive Zeitfenster zu verlängern und möglicherweise die Menopause hinauszuzögern. Nach Angaben der Forschenden könnten solche Eingriffe nicht nur die Fruchtbarkeit verbessern, sondern auch das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen nach der Menopause senken. Laird sagte: „Eine Verzögerung der Menopause könnte das Risiko einiger Krebsarten des Fortpflanzungstrakts leicht erhöhen, aber die Wahrscheinlichkeit, nach der Menopause an einer Herz-Kreislauf-Erkrankung zu sterben, ist mehr als 20-mal höher als diese Risiken.“
Diese Anwendungen befinden sich noch in einem frühen Stadium. Evelyn Telfer von der University of Edinburgh betonte, dass die Studie nur auf Proben von 4 Frauen aus einer begrenzten Altersspanne basierte und daher noch keinen direkten klinischen Eingriff rechtfertigt. „Die Studie ist sehr aufschlussreich, aber die Belege sind noch zu vorläufig.“
Nachrichten | Warum altern Eizellen schneller? Studie gibt Hinweise auf das ovarielle Mikromilieu
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Eine neue Studie der University of California, San Francisco (UCSF) hat ein bislang verborgenes „Ökosystem“ im Eierstock sichtbar gemacht. Sie legt nahe, dass das Tempo, mit dem Eizellen von Frauen altern, möglicherweise nicht nur von ihrer Anzahl und Qualität abhängt, sondern auch stark vom lokalen ovariellen Mikromilieu.
Seit Langem ist bekannt, dass die weibliche Fruchtbarkeit ab Ende der 20er-Jahre rasch abnimmt, was meist auf eine sinkende Eizellzahl und nachlassende genetische Qualität zurückgeführt wird. Diese Studie zeigt jedoch, dass der Eierstock kein bloßes „Eizelllager“ ist, sondern ein komplexes Netzwerk aus verschiedenen Zellen, Nerven, stützenden Strukturen und Immunreaktionen. Die Erkenntnisse könnten auf neue Möglichkeiten hindeuten, die Alterung der Eierstöcke zu verlangsamen, die Fruchtbarkeit zu erhalten und sogar die Menopause hinauszuzögern.
Unter der Leitung der UCSF-Forscherinnen Eliza Gaylord und Diana Laird entwickelte das Team eine neue 3D-Bildgebungstechnik, die die räumliche Verteilung von Eizellen in intaktem Gewebe sichtbar macht, ohne den Eierstock in dünne Schnitte zu zerlegen. Überraschenderweise waren die Eizellen nicht gleichmäßig verteilt, sondern gruppiert. Dies deutet darauf hin, dass Unterschiede in der Umgebung verschiedener Bereiche des Eierstocks die Reifung und Alterung der Eizellen beeinflussen können.
Das Team nutzte außerdem die Einzelzell-Transkriptomik, um mehr als 100,000 Zellen aus Eierstöcken von Mäusen und Menschen zu analysieren. Die Proben umfassten Mäuse im Alter von 2 bis 12 Monaten sowie Frauen im Alter von 23, 30, 37 und 58. Die Analyse identifizierte 11 übergeordnete Zelltypen, darunter mehrere wichtige Bestandteile, denen im Eierstock bislang wenig Aufmerksamkeit geschenkt worden war.
Besonders bemerkenswert war der Nachweis gliaähnlicher Gehirnzellen und sympathischer Nerven im Eierstock, die die Kampf-oder-Flucht-Reaktion steuern. Die Entfernung sympathischer Nerven reduzierte bei Mäusen die Zahl reifer Eizellen deutlich. Dies deutet darauf hin, dass diese Nerven mitbestimmen könnten, welche Eizellen zu wachsen beginnen.
Eine weitere wichtige Erkenntnis war, dass strukturell stützende Fibroblasten mit zunehmendem Alter abnehmen und eng mit Entzündungen und Narbenbildung in den Eierstöcken von Frauen in ihren 50er-Jahren zusammenhängen. Das Team schlug daher vor, dass die Alterung der Eierstöcke nicht durch einen einzelnen Faktor verursacht wird, sondern durch systemische Veränderungen im gesamten Gewebeökosystem.
Laird wies darauf hin, dass die großen Ähnlichkeiten zwischen der Alterung der Eierstöcke bei Mäusen und Menschen eine Grundlage dafür bilden, Labortiere zur eingehenden Untersuchung der menschlichen ovariellen Alterung einzusetzen. „Nur wenn wir verstehen, wie der Eierstock das Tempo der Alterung bestimmt, können wir Behandlungen entwickeln, die sie wirklich verlangsamen oder sogar umkehren.“
Mögliche künftige Ansätze umfassen die Regulierung der Aktivität sympathischer Nerven in den Eierstöcken, um den Eizellverlust zu verlangsamen, das reproduktive Zeitfenster zu verlängern und möglicherweise die Menopause hinauszuzögern. Nach Angaben der Forschenden könnten solche Eingriffe nicht nur die Fruchtbarkeit verbessern, sondern auch das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen nach der Menopause senken. Laird sagte: „Eine Verzögerung der Menopause könnte das Risiko einiger Krebsarten des Fortpflanzungstrakts leicht erhöhen, aber die Wahrscheinlichkeit, nach der Menopause an einer Herz-Kreislauf-Erkrankung zu sterben, ist mehr als 20-mal höher als diese Risiken.“
Diese Anwendungen befinden sich noch in einem frühen Stadium. Evelyn Telfer von der University of Edinburgh betonte, dass die Studie nur auf Proben von 4 Frauen aus einer begrenzten Altersspanne basierte und daher noch keinen direkten klinischen Eingriff rechtfertigt. „Die Studie ist sehr aufschlussreich, aber die Belege sind noch zu vorläufig.“
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