Nachrichten | Die ethische Prüfung des wissenschaftlichen Fortschritts: Polygenes Testen löst Debatte aus
Mit dem Fortschritt neuer Technologien wird die Präimplantationsdiagnostik (PGT) menschlicher Embryonen zunehmend verbreitet und zugänglich. Dennoch herrscht weiterhin erhebliche Unsicherheit darüber, in welchem Maß diese Technologie die Medizin und die Kinderwunschbehandlung sinnvoll verändern kann. Gleichzeitig werden die Tragweite und Dringlichkeit der damit verbundenen ethischen Fragen weithin unterschätzt.
In einem in Nature Medicine veröffentlichten Kommentar weisen Josephine Johnston, Forschungsdirektorin und Research Scholar am The Hastings Center, und Lucas J. Matthews, Assistant Professor an der Columbia University und Presidential Scholar am The Hastings Center, darauf hin, dass die Verwendung polygenetischer Risikoscores (PRS) bei der In-vitro-Fertilisation (IVF) weitreichende ethische Herausforderungen aufwirft.
Polygenes Testen: Eine komplexe ethische Realität hinter dem technologischen Fortschritt
Ein polygenetischer Risikoscore ist ein statistisches Verfahren, das die Auswirkungen vieler kleiner genetischer Varianten kombiniert, um das relative Risiko einer Person für häufige Erkrankungen zu schätzen. Obwohl die Technologie bei der Vorhersage bestimmter Gesundheitsrisiken helfen kann, weist sie noch zahlreiche praktische Einschränkungen auf.
Johnston und Matthews nennen mehrere zentrale Bedenken:
Verzerrungen durch die Abstammung beeinträchtigen die Genauigkeit: Die aktuellen PRS-Modelle basieren hauptsächlich auf genetischen Daten von Menschen europäischer Abstammung und funktionieren bei nicht-europäischen Bevölkerungsgruppen deutlich schlechter. Diese Verzerrung wirft Fragen zur weltweiten Anwendbarkeit der Technologie auf.
Begrenztes Verständnis der Patientinnen und Patienten und unzureichende Kommunikation: In der klinischen Praxis wissen viele Patientinnen und Patienten wenig über die Einschränkungen und potenziellen Risiken des Tests, während Kinderwunschkliniken häufig nicht über genügend Zeit und Ressourcen für eine umfassende Erklärung verfügen. Ethische und klinische Auswirkungen werden besonders leicht übersehen, wenn der Test in Standardbehandlungspakete integriert oder als Routine dargestellt wird.
Potenzielle Diskriminierung: Wie bei bestehenden Einzelgentests werden beim polygenetischen Testen Embryonen anhand ihres genetischen Risikos ausgewählt. Diese Auswahl kann als Form der Diskriminierung gegenüber bestimmten Krankheiten, Behinderungen oder sogar genetischen Merkmalen verstanden werden.
Eine breitere Anwendung rückt näher, ethische Herausforderungen dürfen nicht ignoriert werden
Der Kommentar nimmt Bezug auf eine kürzlich in Nature Genetics veröffentlichte Studie, in der ein polygenetischer Test für 12 häufige Erkrankungen vorgeschlagen wurde, der möglicherweise eine breite klinische Anwendung ermöglichen könnte.
Johnston und Matthews stellen fest, dass frühere Diskussionen über polygenetische Embryonentests weitgehend auf Fach- und Wissenschaftskreise oder auf individuelle Entscheidungen einer kleinen Zahl von Familien beschränkt waren. Mit den Fortschritten bei der molekularen Genotypisierung und dem deutlichen Sinken der Testkosten werden diese Fragen für Ärztinnen und Ärzte sowie viele Patientinnen und Patienten bald zur praktischen Realität.
Besonders bedenklich ist, dass Fragen der sozialen Gerechtigkeit noch dringlicher und komplexer werden, wenn solche Tests soziale Merkmale wie Bildungsniveau oder kognitive Fähigkeiten bewerten.
Ein Aufruf zur transparenten Prüfung: Doppelte Verantwortung von Wissenschaft und Ethik
Der Kommentar in Nature Medicine fordert die globale medizinische Gemeinschaft, politische Entscheidungsträger und die Öffentlichkeit auf, polygenetische Embryonentests vorsichtiger und umfassender zu prüfen. Da die ethische Orientierung hinter der technologischen Entwicklung zurückbleibt, könnte eine Förderung der Technologie ohne Berücksichtigung potenzieller gesellschaftlicher Risiken weitreichende Folgen haben.
Die Autorinnen und Autoren betonen: „Wir müssen sicherstellen, dass alle neuen Technologien nur dann eingesetzt werden, wenn sie wissenschaftlich fundiert und ethisch vertretbar sind. Andernfalls reichen die Auswirkungen über einzelne Patientinnen und Patienten hinaus bis in das gesamte Wertesystem der Gesellschaft.“
Nachrichten | Die ethische Prüfung des wissenschaftlichen Fortschritts: Polygenes Testen löst Debatte aus
Nachrichten | Die ethische Prüfung des wissenschaftlichen Fortschritts: Polygenes Testen löst Debatte aus
Mit dem Fortschritt neuer Technologien wird die Präimplantationsdiagnostik (PGT) menschlicher Embryonen zunehmend verbreitet und zugänglich. Dennoch herrscht weiterhin erhebliche Unsicherheit darüber, in welchem Maß diese Technologie die Medizin und die Kinderwunschbehandlung sinnvoll verändern kann. Gleichzeitig werden die Tragweite und Dringlichkeit der damit verbundenen ethischen Fragen weithin unterschätzt.
In einem in Nature Medicine veröffentlichten Kommentar weisen Josephine Johnston, Forschungsdirektorin und Research Scholar am The Hastings Center, und Lucas J. Matthews, Assistant Professor an der Columbia University und Presidential Scholar am The Hastings Center, darauf hin, dass die Verwendung polygenetischer Risikoscores (PRS) bei der In-vitro-Fertilisation (IVF) weitreichende ethische Herausforderungen aufwirft.
Polygenes Testen: Eine komplexe ethische Realität hinter dem technologischen Fortschritt
Ein polygenetischer Risikoscore ist ein statistisches Verfahren, das die Auswirkungen vieler kleiner genetischer Varianten kombiniert, um das relative Risiko einer Person für häufige Erkrankungen zu schätzen. Obwohl die Technologie bei der Vorhersage bestimmter Gesundheitsrisiken helfen kann, weist sie noch zahlreiche praktische Einschränkungen auf.
Johnston und Matthews nennen mehrere zentrale Bedenken:
Verzerrungen durch die Abstammung beeinträchtigen die Genauigkeit: Die aktuellen PRS-Modelle basieren hauptsächlich auf genetischen Daten von Menschen europäischer Abstammung und funktionieren bei nicht-europäischen Bevölkerungsgruppen deutlich schlechter. Diese Verzerrung wirft Fragen zur weltweiten Anwendbarkeit der Technologie auf.
Begrenztes Verständnis der Patientinnen und Patienten und unzureichende Kommunikation: In der klinischen Praxis wissen viele Patientinnen und Patienten wenig über die Einschränkungen und potenziellen Risiken des Tests, während Kinderwunschkliniken häufig nicht über genügend Zeit und Ressourcen für eine umfassende Erklärung verfügen. Ethische und klinische Auswirkungen werden besonders leicht übersehen, wenn der Test in Standardbehandlungspakete integriert oder als Routine dargestellt wird.
Potenzielle Diskriminierung: Wie bei bestehenden Einzelgentests werden beim polygenetischen Testen Embryonen anhand ihres genetischen Risikos ausgewählt. Diese Auswahl kann als Form der Diskriminierung gegenüber bestimmten Krankheiten, Behinderungen oder sogar genetischen Merkmalen verstanden werden.
Eine breitere Anwendung rückt näher, ethische Herausforderungen dürfen nicht ignoriert werden
Der Kommentar nimmt Bezug auf eine kürzlich in Nature Genetics veröffentlichte Studie, in der ein polygenetischer Test für 12 häufige Erkrankungen vorgeschlagen wurde, der möglicherweise eine breite klinische Anwendung ermöglichen könnte.
Johnston und Matthews stellen fest, dass frühere Diskussionen über polygenetische Embryonentests weitgehend auf Fach- und Wissenschaftskreise oder auf individuelle Entscheidungen einer kleinen Zahl von Familien beschränkt waren. Mit den Fortschritten bei der molekularen Genotypisierung und dem deutlichen Sinken der Testkosten werden diese Fragen für Ärztinnen und Ärzte sowie viele Patientinnen und Patienten bald zur praktischen Realität.
Besonders bedenklich ist, dass Fragen der sozialen Gerechtigkeit noch dringlicher und komplexer werden, wenn solche Tests soziale Merkmale wie Bildungsniveau oder kognitive Fähigkeiten bewerten.
Ein Aufruf zur transparenten Prüfung: Doppelte Verantwortung von Wissenschaft und Ethik
Der Kommentar in Nature Medicine fordert die globale medizinische Gemeinschaft, politische Entscheidungsträger und die Öffentlichkeit auf, polygenetische Embryonentests vorsichtiger und umfassender zu prüfen. Da die ethische Orientierung hinter der technologischen Entwicklung zurückbleibt, könnte eine Förderung der Technologie ohne Berücksichtigung potenzieller gesellschaftlicher Risiken weitreichende Folgen haben.
Die Autorinnen und Autoren betonen: „Wir müssen sicherstellen, dass alle neuen Technologien nur dann eingesetzt werden, wenn sie wissenschaftlich fundiert und ethisch vertretbar sind. Andernfalls reichen die Auswirkungen über einzelne Patientinnen und Patienten hinaus bis in das gesamte Wertesystem der Gesellschaft.“
Quelle:
Zusammengestellt aus Online-Quellen