Nachrichten | Nature Medicine: Studie identifiziert vier unterschiedliche PCOS-Subtypen und ebnet den Weg für eine personalisierte Behandlung
In einer neuen, in Nature Medicine veröffentlichten Studie hat ein internationales Forschungsteam unter Leitung des Karolinska Institutet in Schweden erstmals vier unterschiedliche Subtypen des polyzystischen Ovarialsyndroms (PCOS) identifiziert. Die Erkenntnisse könnten eine präzisere, personalisierte Behandlung von weltweit mehreren zehn Millionen Frauen mit PCOS ermöglichen.
Das polyzystische Ovarialsyndrom ist eine häufige endokrine und Stoffwechselstörung, die die Funktion der Eierstöcke beeinträchtigt und bei etwa 11% bis 13% der Frauen im fortpflanzungsfähigen Alter auftritt. PCOS galt lange als heterogenes Syndrom mit komplexen Symptomen und unterschiedlichen Ursachen; eindeutige biologische Klassifizierungskriterien fehlten jedoch.
Das Team analysierte klinische Daten aus 6.5 Jahren von mehr als 11,900 Patientinnen mit PCOS und validierte die Ergebnisse in fünf unabhängigen internationalen Kohorten aus Asien, Europa und den USA. Dabei wurden vier klinisch relevante PCOS-Subtypen bestätigt.
Merkmale der vier PCOS-Subtypen
Auf Grundlage klinischer und physiologischer Marker teilte die Studie PCOS in vier Subtypen ein:
HA-PCOS (Subtyp mit hohem Androgenspiegel)
Merkmal: Deutlich erhöhte Androgenspiegel.
Hauptrisiken: Höchste Fehlgeburtenrate im zweiten Trimester und höchste Rate an Dyslipidämien.
OB-PCOS (Adipositas-Subtyp)
Merkmale: Hoher Body-Mass-Index (BMI) und ausgeprägte Insulinresistenz.
Wichtigste Ergebnisse: Schwerwiegendste Stoffwechselprobleme und niedrigste Lebendgeburtenrate, aber höchste Rate einer PCOS-Remission im Zeitverlauf.
SHBG-PCOS (Subtyp mit hohem Sexualhormon-bindendem-Globulin-Spiegel)
Merkmal: Höhere Spiegel des Sexualhormon-bindenden Globulins (SHBG).
Klinisches Profil: Eine vergleichsweise milde Form von PCOS mit weniger Fruchtbarkeitsproblemen sowie den niedrigsten Risiken für Diabetes und Bluthochdruck.
LH-PCOS (Subtyp mit hohem luteinisierendem Hormon)
Merkmale: Erhöhte Spiegel des luteinisierenden Hormons (LH) und des Anti-Müller-Hormons (AMH).
Klinisches Profil: Höchstes Risiko für ein ovarielles Hyperstimulationssyndrom (OHSS) während einer In-vitro-Fertilisation (IVF) und niedrigste Rate spontaner Remissionen.
Subtypunterschiede beeinflussen reproduktive und metabolische Ergebnisse
Die Studie zeigte deutliche Unterschiede zwischen den vier PCOS-Subtypen hinsichtlich Schwangerschaftsraten, Lebendgeburtenraten und Komplikationsrisiken.
Patientinnen mit SHBG-PCOS erzielten die besten IVF-Ergebnisse, darunter höhere Schwangerschafts- und Lebendgeburtenraten;
Bei Patientinnen mit OB-PCOS und HA-PCOS traten häufiger Fehlgeburten und Stoffwechselkomplikationen auf, darunter Dyslipidämien und Diabetes 2.
IVF-Strategien müssen möglicherweise individualisiert werden
Elisabet Stener-Victorin, Professorin für Reproduktionsphysiologie am Karolinska Institutet und eine der Studienleiterinnen, sagte:
„Unsere Studie hat gezeigt, dass die verschiedenen PCOS-Subtypen sehr unterschiedlich auf eine IVF-Behandlung reagieren.
Beispielsweise erzielten Patientinnen mit androgenreichem PCOS (HA-PCOS) mit einem Transfer aufgetauter Embryonen bessere Schwangerschaftsergebnisse als mit einem Transfer frischer Embryonen. Dies könnte künftige Strategien der Kinderwunschbehandlung beeinflussen.“
Eine neue Ära der personalisierten Versorgung: präzise PCOS-Klassifizierung
Das Team entwickelte außerdem PcosX, ein Online-Klassifizierungstool auf Grundlage von neun standardisierten klinischen Messwerten. Ärzte können damit Patientinnen rasch einem Subtyp zuordnen und die anschließenden Behandlungsentscheidungen unterstützen.
Professorin Stener-Victorin sagte:
„Die Identifizierung von PCOS-Subtypen bedeutet, dass wir endlich Präzisionsmedizin auf die reproduktive Gesundheit von Frauen anwenden können.
Diagnose, Behandlung und Nachsorge werden künftig nicht mehr nach einem einheitlichen Schema erfolgen, sondern an das individuelle Risikoprofil jeder Frau angepasst werden.“
Sie ergänzte, dass die internationale Verbundstudie starke Belege liefere, die die klinische Diagnose, Behandlung und langfristige Betreuung von PCOS verändern könnten.
Nachrichten | Nature Medicine: Studie identifiziert vier unterschiedliche PCOS-Subtypen und ebnet den Weg für eine personalisierte Behandlung
Nachrichten | Nature Medicine: Studie identifiziert vier unterschiedliche PCOS-Subtypen und ebnet den Weg für eine personalisierte Behandlung
In einer neuen, in Nature Medicine veröffentlichten Studie hat ein internationales Forschungsteam unter Leitung des Karolinska Institutet in Schweden erstmals vier unterschiedliche Subtypen des polyzystischen Ovarialsyndroms (PCOS) identifiziert. Die Erkenntnisse könnten eine präzisere, personalisierte Behandlung von weltweit mehreren zehn Millionen Frauen mit PCOS ermöglichen.
Das polyzystische Ovarialsyndrom ist eine häufige endokrine und Stoffwechselstörung, die die Funktion der Eierstöcke beeinträchtigt und bei etwa 11% bis 13% der Frauen im fortpflanzungsfähigen Alter auftritt. PCOS galt lange als heterogenes Syndrom mit komplexen Symptomen und unterschiedlichen Ursachen; eindeutige biologische Klassifizierungskriterien fehlten jedoch.
Das Team analysierte klinische Daten aus 6.5 Jahren von mehr als 11,900 Patientinnen mit PCOS und validierte die Ergebnisse in fünf unabhängigen internationalen Kohorten aus Asien, Europa und den USA. Dabei wurden vier klinisch relevante PCOS-Subtypen bestätigt.
Merkmale der vier PCOS-Subtypen
Auf Grundlage klinischer und physiologischer Marker teilte die Studie PCOS in vier Subtypen ein:
HA-PCOS (Subtyp mit hohem Androgenspiegel)
Merkmal: Deutlich erhöhte Androgenspiegel.
Hauptrisiken: Höchste Fehlgeburtenrate im zweiten Trimester und höchste Rate an Dyslipidämien.
OB-PCOS (Adipositas-Subtyp)
Merkmale: Hoher Body-Mass-Index (BMI) und ausgeprägte Insulinresistenz.
Wichtigste Ergebnisse: Schwerwiegendste Stoffwechselprobleme und niedrigste Lebendgeburtenrate, aber höchste Rate einer PCOS-Remission im Zeitverlauf.
SHBG-PCOS (Subtyp mit hohem Sexualhormon-bindendem-Globulin-Spiegel)
Merkmal: Höhere Spiegel des Sexualhormon-bindenden Globulins (SHBG).
Klinisches Profil: Eine vergleichsweise milde Form von PCOS mit weniger Fruchtbarkeitsproblemen sowie den niedrigsten Risiken für Diabetes und Bluthochdruck.
LH-PCOS (Subtyp mit hohem luteinisierendem Hormon)
Merkmale: Erhöhte Spiegel des luteinisierenden Hormons (LH) und des Anti-Müller-Hormons (AMH).
Klinisches Profil: Höchstes Risiko für ein ovarielles Hyperstimulationssyndrom (OHSS) während einer In-vitro-Fertilisation (IVF) und niedrigste Rate spontaner Remissionen.
Subtypunterschiede beeinflussen reproduktive und metabolische Ergebnisse
Die Studie zeigte deutliche Unterschiede zwischen den vier PCOS-Subtypen hinsichtlich Schwangerschaftsraten, Lebendgeburtenraten und Komplikationsrisiken.
Patientinnen mit SHBG-PCOS erzielten die besten IVF-Ergebnisse, darunter höhere Schwangerschafts- und Lebendgeburtenraten;
Bei Patientinnen mit OB-PCOS und HA-PCOS traten häufiger Fehlgeburten und Stoffwechselkomplikationen auf, darunter Dyslipidämien und Diabetes 2.
IVF-Strategien müssen möglicherweise individualisiert werden
Elisabet Stener-Victorin, Professorin für Reproduktionsphysiologie am Karolinska Institutet und eine der Studienleiterinnen, sagte:
„Unsere Studie hat gezeigt, dass die verschiedenen PCOS-Subtypen sehr unterschiedlich auf eine IVF-Behandlung reagieren.
Beispielsweise erzielten Patientinnen mit androgenreichem PCOS (HA-PCOS) mit einem Transfer aufgetauter Embryonen bessere Schwangerschaftsergebnisse als mit einem Transfer frischer Embryonen. Dies könnte künftige Strategien der Kinderwunschbehandlung beeinflussen.“
Eine neue Ära der personalisierten Versorgung: präzise PCOS-Klassifizierung
Das Team entwickelte außerdem PcosX, ein Online-Klassifizierungstool auf Grundlage von neun standardisierten klinischen Messwerten. Ärzte können damit Patientinnen rasch einem Subtyp zuordnen und die anschließenden Behandlungsentscheidungen unterstützen.
Professorin Stener-Victorin sagte:
„Die Identifizierung von PCOS-Subtypen bedeutet, dass wir endlich Präzisionsmedizin auf die reproduktive Gesundheit von Frauen anwenden können.
Diagnose, Behandlung und Nachsorge werden künftig nicht mehr nach einem einheitlichen Schema erfolgen, sondern an das individuelle Risikoprofil jeder Frau angepasst werden.“
Sie ergänzte, dass die internationale Verbundstudie starke Belege liefere, die die klinische Diagnose, Behandlung und langfristige Betreuung von PCOS verändern könnten.
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