Nachrichten | Kann das Trinken von Kefir die Darmgesundheit wirklich verbessern? Neue Forschung liefert eine vorsichtigere Antwort



Nachrichten | Kefirjoghurt trinken – kann er den Darm wirklich „regulieren“? Die aktuelle Forschung fällt vorsichtiger aus


In den vergangenen Jahren ist Kefir als traditionelles fermentiertes Milchprodukt weltweit wegen seines Rufs als „probiotikareich“ beliebt geworden und gilt für viele Verbraucher als natürliche Möglichkeit, die Darmgesundheit zu verbessern und das Immunsystem zu stärken. Eine kürzlich in der internationalen Fachzeitschrift Nutrients veröffentlichte systematische Übersichtsarbeit weist jedoch darauf hin, dass Kefir zwar die Zusammensetzung bestimmter Mikroorganismen im Darm und in der Mundhöhle verändern kann, seine tatsächlichen gesundheitlichen Wirkungen aber weiterhin durch keine konsistenten und belastbaren wissenschaftlichen Belege abgesichert sind.


In dieser von mehreren Wissenschaftlern durchgeführten Studie wurden veröffentlichte Humanstudien systematisch ausgewertet, wobei die Auswirkungen des Kefirkonsums auf das intestinale und orale Mikrobiom untersucht wurden. Die Ergebnisse zeigen, dass Kefir tatsächlich Veränderungen in bestimmten mikrobiellen Nischen bewirken kann. Aufgrund der meist kleinen Studienpopulationen und erheblicher Unterschiede im Studiendesign muss die klinische Bedeutung jedoch noch genauer geklärt werden.


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Vom traditionellen Getränk des Kaukasus zum modernen Forschungsgegenstand

Kefir stammt aus der Kaukasusregion und wird seit mehr als 3,000 Jahren getrunken. Er wird aus „Kefirkörnern“ fermentiert, komplexen symbiotischen Gemeinschaften aus Milchsäurebakterien, Essigsäurebakterien und Hefen, die in eine Polysaccharidmatrix eingebettet sind. Werden die Körner der Milch zugesetzt, setzen sie eine natürliche Fermentation in Gang, bei der die Milch allmählich eindickt und einen mild-säuerlichen Geschmack entwickelt.


Neben Kuhmilch kann Kefir auch aus Ziegenmilch, Schafsmilch oder sogar Sojamilch hergestellt werden. In der industriellen Produktion werden die Körner der Milch typischerweise in einem Verhältnis von 1:30 bis 1:50 zugesetzt und bis zu 24 Stunden bei Raumtemperatur fermentiert. Anschließend werden die Körner vor dem Trinken oder der gekühlten Lagerung herausgefiltert.


Die Forscher weisen darauf hin, dass die stark schwankende Zusammensetzung eine zentrale Herausforderung bei der Bewertung der gesundheitlichen Wirkungen von Kefir darstellt. Faktoren wie das Fermentationssubstrat, die Herkunft der Körner, die Fermentationsdauer und die Temperatur können die Arten und Mengenverhältnisse der Mikroorganismen im fertigen Getränk sowie die von ihnen produzierten bioaktiven Metaboliten erheblich beeinflussen. Das bedeutet auch, dass die in verschiedenen Studien verwendeten Kefirprodukte oft nicht miteinander vergleichbar sind.


Mikroorganismen im Kefir: Potenzial und Unterschiede nebeneinander

Die vorherrschende mikrobielle Gruppe im Kefir sind Milchsäurebakterien (LAB), darunter Lentilactobacillus kefiri, Leuconostoc mesenteroides und Lactococcus lactis. Diese Arten bilden durch den Abbau von Laktose Milchsäure und können außerdem Bakteriozine, Wasserstoffperoxid und weitere Substanzen erzeugen, die bestimmte Darmpathogene hemmen.


Unter ihnen L. kefiri und L. mesenteroides können die Passage durch den Magen-Darm-Trakt überleben und am Darmepithel anhaften; daher gelten sie als typische Probiotika. Studien haben außerdem gezeigt, dass L. kefiri die Fähigkeit besitzt, Schwermetalle und Mykotoxine zu binden, was auf toxikologische Anwendungsmöglichkeiten schließen lässt, während L. mesenteroides Linolsäure produzieren kann, die möglicherweise entzündungshemmende, antiatherosklerotische und krebshemmende Wirkungen hat.


Darüber hinaus enthält Kefir verschiedene Essigsäurebakterien, etwa die Gattungen Acetobacter und Gluconobacter, deren Stoffwechselprodukte wie Essigsäure vermutlich die Darmmotilität fördern, die Durchblutung des Dickdarms verbessern und die Homöostase des Darmepithels aufrechterhalten.


Auch Hefen sind ein wichtiger Bestandteil von Kefir, darunter Saccharomyces cerevisiae und verschiedene Kluyveromyces-Arten. Diese Hefen produzieren geringe Mengen Ethanol und Kohlendioxid, wodurch Kefir sein charakteristisches Aroma und eine leichte Kohlensäure erhält. Unter ihnen hat die Saccharomyces boulardii-Variante von S. cerevisiae in mehreren Studien antibakterielle, entzündungshemmende und antioxidative Eigenschaften gezeigt und könnte bei der Behandlung des Reizdarmsyndroms und von Morbus Crohn hilfreich sein.


Wirkungen auf Darm- und Mundmikroorganismen: uneinheitliche Ergebnisse

Beim Darmmikrobiom unterscheiden sich die Reaktionen auf Kefir zwischen verschiedenen Bevölkerungsgruppen deutlich. Bei einigen gesunden Erwachsenen zeigte sich nach dem Konsum nur ein geringfügiger, statistisch nicht signifikanter Anstieg bei Lactococcus lactis nach dem Verzehr, während Patienten mit metabolischem Syndrom beziehungsweise entzündlichen Darmerkrankungen (IBD) eine Zunahme von Actinobacteria beziehungsweise Lactobacillus aufwiesen.


Bei kritisch kranken Patienten nahm die mikrobielle Vielfalt im Darm zwar ab, der Kefirkonsum verbesserte jedoch weiterhin den „Gesundheitsindex des Darmmikrobioms“. Bei Frauen mit polyzystischem Ovarialsyndrom (PCOS) nahm die Menge an Bacilli nach dem Trinken von Kefir deutlich zu; zugleich verbesserten sich die körperlichen und psychischen Gesundheitswerte im Vergleich zur Zeit vor der Intervention erheblich.


Bemerkenswert ist, dass einige Studien zum metabolischen Syndrom selbst bei einem nicht signifikanten Anstieg der Milchsäurebakterien innerhalb der jeweiligen Gruppen Verbesserungen beim Nüchterninsulin, bei Entzündungsfaktoren wie TNF-alpha und IFN-gamma sowie bei Blutdruckwerten beobachteten. Dies deutet darauf hin, dass mikrobielle Veränderungen mit systemischen gesundheitlichen Effekten zusammenhängen könnten.


Für das orale Mikrobiom ist die Evidenz noch begrenzter. Bislang haben nur 4 Studien die Auswirkungen von Kefir auf die Mundflora untersucht und gezeigt, dass er die Konzentration von Streptococcus mutans im Speichel senken könnte – einem Bakterium, das bei Erwachsenen und Kindern ein wichtiger Verursacher von Zahnkaries ist.


Die Forscher betonen jedoch, dass sich diese Studien allesamt auf herkömmliche Kultivierungsmethoden stützten, die die Gesamtstruktur des oralen Mikrobioms nicht vollständig abbilden können, und keine DNA-Sequenzierung einsetzten. Daher ist der tatsächliche Einfluss von Kefir auf die mikrobielle Vielfalt im Mund weiterhin unbekannt.


Fazit: Potenzial vorhanden, aber die Evidenz ist weiterhin unzureichend

Insgesamt deuten die bisherigen Forschungsergebnisse darauf hin, dass Kefir gewisse Auswirkungen auf die Darm- und orale Mikrobiota haben kann. Ausmaß, Konsistenz und klinische Bedeutung dieser Effekte sind jedoch weiterhin höchst ungewiss. Unterschiede zwischen Kefirprodukten aus verschiedenen Quellen, uneinheitliche Studiendesigns und kleine Stichproben erschweren eine eindeutige Einschätzung der langfristigen gesundheitlichen Auswirkungen.


Das Forschungsteam fordert künftige klinische Studien mit größeren Teilnehmerzahlen, strengeren Studiendesigns und längeren Interventionszeiträumen. Dabei sollten standardisierte Kefirprodukte und moderne Sequenzierungstechnologien eingesetzt werden, um die Rolle dieses traditionellen fermentierten Getränks für die menschliche Gesundheit tatsächlich zu klären.


Quelle der Meldung:

Aus dem Internet zusammengetragen

作者 LinkedIVF Team發布於 2025-12-17
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