Nachrichten | Umwidmung eines bestehenden Arzneimittels: Das Nierenmedikament Finerenon könnte neue Hoffnung bei der Behandlung der vorzeitigen Ovarialinsuffizienz (POI) geben
Eine neue Studie deutet darauf hin, dass ein ursprünglich zur Behandlung von Nierenerkrankungen eingesetztes orales Arzneimittel eine neue Fertilitätsbehandlung für Frauen mit vorzeitiger Ovarialinsuffizienz (POI) ermöglichen könnte. Die Forschenden stellten fest, dass das antifibrotische Arzneimittel Finerenon die Follikelentwicklung förderte und in einer vorläufigen klinischen Studie einigen Patientinnen mit POI half, reife Eizellen zu bilden, die für eine In-vitro-Fertilisation (IVF) geeignet waren.
Die Forschung wurde gemeinsam vom Team von Professor Kazuhiro Kawamura an der Juntendo-Universität in Japan und dem Team von Professor Kui Liu an der University of Hong Kong (HKU) durchgeführt. Die Ergebnisse wurden am 5, 2026 in Science veröffentlicht.
Vorzeitige Ovarialinsuffizienz betrifft 1%–3% der Frauen im gebärfähigen Alter
Die vorzeitige Ovarialinsuffizienz ist eine häufige Ursache weiblicher Unfruchtbarkeit und betrifft etwa 1% bis 3% der Frauen im gebärfähigen Alter. Typische Beschwerden sind das Ausbleiben der Menstruation, ein verringerter Östrogenspiegel und erhöhte Werte des follikelstimulierenden Hormons (FSH).
Obwohl bei vielen Patientinnen mit POI noch einige Primordialfollikel in den Eierstöcken vorhanden sind, entwickeln sich diese häufig nicht von selbst weiter. Da die FSH-Werte bereits erhöht sind, reagieren die Follikel in der Regel auch nicht ausreichend auf eine herkömmliche ovarielle Stimulation.
Das Team von Kawamura entwickelte zuvor eine Technik zur In-vitro-Aktivierung (IVA). Dabei wird kortikales Eierstockgewebe kultiviert und seine kleinen Follikel aktiviert, bevor das Gewebe per laparoskopischer Operation wieder in die Patientin transplantiert wird. Bei einigen Patientinnen führte dies zu Schwangerschaften und Lebendgeburten.
Die theoretische Grundlage für diese Technik stammt aus Forschungen des Teams von Liu an der University of Hong Kong. Es stellte fest, dass der mTORC1-Signalweg in Granulosazellen und der PI3K-Signalweg in Oozyten für die Follikelbildung entscheidend sind.
Professor Kawamura erklärte: „Auf Grundlage dieses Mechanismus entwickelten wir die In-vitro-Aktivierung, um durch die Aktivierung kleiner Follikel in der Eierstockrinde von Patientinnen mit POI und eine autologe Transplantation die Fruchtbarkeit wiederherzustellen.“
Eine Behandlung ohne Operation
In der neuen Studie suchten die Forschenden nach einer Möglichkeit, Follikel ohne invasive Operation zu aktivieren. Sie stellten fest, dass einige Arzneimittel, die die mTORC1- und PI3K-Signalwege aktivieren können, bereits zur Behandlung von Nierenerkrankungen eingesetzt werden.
Das Team prüfte daher, ob diese zugelassenen Arzneimittel zur Wiederherstellung der Fruchtbarkeit bei Frauen mit POI umgewidmet werden könnten.
Nach einer Vorauswahl konzentrierten sich die Forschenden auf Finerenon. Dieser Mineralokortikoidrezeptor-Antagonist wirkt antifibrotisch und hat bei Patientinnen und Patienten mit chronischer Nierenerkrankung ein gutes Sicherheitsprofil gezeigt.
In Laborversuchen kultivierten die Forschenden unreife Eierstöcke von Mäusen mit Finerenon. Die Eierstöcke begannen, Follikel zu bilden, und produzierten schließlich reife Oozyten.
Mausexperimente zeigen verbesserte Fruchtbarkeit
Anschließend untersuchte das Team den Befund in Tiermodellen weiter.
In einem 18-wöchigen Versuch brachten Mäuse, die Finerenon oral erhielten, deutlich mehr Nachwuchs zur Welt als die Placebogruppe. Das Arzneimittel induzierte außerdem eine Neubildung von Follikeln bei Mäusen, deren Unfruchtbarkeit durch den altersbedingten Rückgang der Eierstockfunktion verursacht worden war.
Die Analyse der Genexpression zeigte, dass Finerenon die Kollagenproduktion in der Eierstockrinde hemmte. Eine übermäßige Kollagenablagerung versteift das Gewebe durch Fibrose und schränkt das Wachstum kleiner Follikel mechanisch ein.
Professor Kawamura sagte: „Die antifibrotische Wirkung von Finerenon kann die Einschränkung des Wachstums kleiner Follikel durch die extrazelluläre Matrix verringern und ihnen so die weitere Entwicklung ermöglichen.“
Die Studie ergab außerdem, dass die Signalübertragung zwischen dem stromalen Kollagen des Eierstocks und den Granulosazellen ein wichtiger negativer Regulator der Follikelentwicklung sein könnte.
Um diese Hypothese zu prüfen, untersuchten die Forschenden zwei weitere antifibrotische Arzneimittel, Nintedanib und Ruxolitinib. Beide hemmen die Fibrose über unterschiedliche Mechanismen und induzierten ebenfalls die Follikelbildung in Eierstöcken von Mäusen, was die Theorie, dass Kollagen die Follikelentwicklung einschränkt, weiter stützt.
Vorläufige Humanstudie: Einige Patientinnen bildeten reife Eizellen
Nach den positiven Ergebnissen aus den Tierversuchen führte das Team eine vorläufige klinische explorative Studie am University of Hong Kong-Shenzhen Hospital durch.
An der Studie nahmen 14 Patientinnen mit POI teil, die 3 bis 7 Monate lang Finerenon oral einnahmen. Die Ergebnisse zeigten:
Bei allen Patientinnen wurde eine Follikelentwicklung beobachtet
Sieben Patientinnen bildeten reife Eizellen, die für eine IVF geeignet waren
Die Forschenden stellten fest, dass die entnommenen Oozyten eine vergleichbare Qualität aufwiesen wie die Oozyten gleichaltriger Frauen ohne POI, die sich einer IVF unterzogen.
Obwohl die Studie klein war, deuten die Ergebnisse darauf hin, dass eine antifibrotische Behandlung bei einigen Frauen mit POI zur Aktivierung verbliebener Follikel beitragen könnte.
Ein neuer Ansatz zur Behandlung der POI
Das Team geht davon aus, dass antifibrotische Arzneimittel eine einfachere und weniger invasive Behandlung ermöglichen könnten, wenn größere klinische Studien den Befund bestätigen.
Professor Kawamura sagte: „Eine weitere Untersuchung von FDA-zugelassenen oralen antifibrotischen Arzneimitteln zur Aktivierung kleiner Eierstockfollikel könnte einen neuen Behandlungsweg für die mit POI verbundene Unfruchtbarkeit eröffnen.“
Die Forschenden stellten fest, dass diese Strategie die Abhängigkeit von chirurgischen Behandlungen verringern und Frauen mit POI weltweit mehr reproduktive Möglichkeiten bieten könnte.
News | Umwidmung eines bestehenden Medikaments: Das Nierenmedikament Finerenon könnte neue Hoffnung bei der Behandlung der POI bieten
Nachrichten | Umwidmung eines bestehenden Arzneimittels: Das Nierenmedikament Finerenon könnte neue Hoffnung bei der Behandlung der vorzeitigen Ovarialinsuffizienz (POI) geben
Eine neue Studie deutet darauf hin, dass ein ursprünglich zur Behandlung von Nierenerkrankungen eingesetztes orales Arzneimittel eine neue Fertilitätsbehandlung für Frauen mit vorzeitiger Ovarialinsuffizienz (POI) ermöglichen könnte. Die Forschenden stellten fest, dass das antifibrotische Arzneimittel Finerenon die Follikelentwicklung förderte und in einer vorläufigen klinischen Studie einigen Patientinnen mit POI half, reife Eizellen zu bilden, die für eine In-vitro-Fertilisation (IVF) geeignet waren.
Die Forschung wurde gemeinsam vom Team von Professor Kazuhiro Kawamura an der Juntendo-Universität in Japan und dem Team von Professor Kui Liu an der University of Hong Kong (HKU) durchgeführt. Die Ergebnisse wurden am 5, 2026 in Science veröffentlicht.
Vorzeitige Ovarialinsuffizienz betrifft 1%–3% der Frauen im gebärfähigen Alter
Die vorzeitige Ovarialinsuffizienz ist eine häufige Ursache weiblicher Unfruchtbarkeit und betrifft etwa 1% bis 3% der Frauen im gebärfähigen Alter. Typische Beschwerden sind das Ausbleiben der Menstruation, ein verringerter Östrogenspiegel und erhöhte Werte des follikelstimulierenden Hormons (FSH).
Obwohl bei vielen Patientinnen mit POI noch einige Primordialfollikel in den Eierstöcken vorhanden sind, entwickeln sich diese häufig nicht von selbst weiter. Da die FSH-Werte bereits erhöht sind, reagieren die Follikel in der Regel auch nicht ausreichend auf eine herkömmliche ovarielle Stimulation.
Das Team von Kawamura entwickelte zuvor eine Technik zur In-vitro-Aktivierung (IVA). Dabei wird kortikales Eierstockgewebe kultiviert und seine kleinen Follikel aktiviert, bevor das Gewebe per laparoskopischer Operation wieder in die Patientin transplantiert wird. Bei einigen Patientinnen führte dies zu Schwangerschaften und Lebendgeburten.
Die theoretische Grundlage für diese Technik stammt aus Forschungen des Teams von Liu an der University of Hong Kong. Es stellte fest, dass der mTORC1-Signalweg in Granulosazellen und der PI3K-Signalweg in Oozyten für die Follikelbildung entscheidend sind.
Professor Kawamura erklärte: „Auf Grundlage dieses Mechanismus entwickelten wir die In-vitro-Aktivierung, um durch die Aktivierung kleiner Follikel in der Eierstockrinde von Patientinnen mit POI und eine autologe Transplantation die Fruchtbarkeit wiederherzustellen.“
Eine Behandlung ohne Operation
In der neuen Studie suchten die Forschenden nach einer Möglichkeit, Follikel ohne invasive Operation zu aktivieren. Sie stellten fest, dass einige Arzneimittel, die die mTORC1- und PI3K-Signalwege aktivieren können, bereits zur Behandlung von Nierenerkrankungen eingesetzt werden.
Das Team prüfte daher, ob diese zugelassenen Arzneimittel zur Wiederherstellung der Fruchtbarkeit bei Frauen mit POI umgewidmet werden könnten.
Nach einer Vorauswahl konzentrierten sich die Forschenden auf Finerenon. Dieser Mineralokortikoidrezeptor-Antagonist wirkt antifibrotisch und hat bei Patientinnen und Patienten mit chronischer Nierenerkrankung ein gutes Sicherheitsprofil gezeigt.
In Laborversuchen kultivierten die Forschenden unreife Eierstöcke von Mäusen mit Finerenon. Die Eierstöcke begannen, Follikel zu bilden, und produzierten schließlich reife Oozyten.
Mausexperimente zeigen verbesserte Fruchtbarkeit
Anschließend untersuchte das Team den Befund in Tiermodellen weiter.
In einem 18-wöchigen Versuch brachten Mäuse, die Finerenon oral erhielten, deutlich mehr Nachwuchs zur Welt als die Placebogruppe. Das Arzneimittel induzierte außerdem eine Neubildung von Follikeln bei Mäusen, deren Unfruchtbarkeit durch den altersbedingten Rückgang der Eierstockfunktion verursacht worden war.
Die Analyse der Genexpression zeigte, dass Finerenon die Kollagenproduktion in der Eierstockrinde hemmte. Eine übermäßige Kollagenablagerung versteift das Gewebe durch Fibrose und schränkt das Wachstum kleiner Follikel mechanisch ein.
Professor Kawamura sagte: „Die antifibrotische Wirkung von Finerenon kann die Einschränkung des Wachstums kleiner Follikel durch die extrazelluläre Matrix verringern und ihnen so die weitere Entwicklung ermöglichen.“
Die Studie ergab außerdem, dass die Signalübertragung zwischen dem stromalen Kollagen des Eierstocks und den Granulosazellen ein wichtiger negativer Regulator der Follikelentwicklung sein könnte.
Um diese Hypothese zu prüfen, untersuchten die Forschenden zwei weitere antifibrotische Arzneimittel, Nintedanib und Ruxolitinib. Beide hemmen die Fibrose über unterschiedliche Mechanismen und induzierten ebenfalls die Follikelbildung in Eierstöcken von Mäusen, was die Theorie, dass Kollagen die Follikelentwicklung einschränkt, weiter stützt.
Vorläufige Humanstudie: Einige Patientinnen bildeten reife Eizellen
Nach den positiven Ergebnissen aus den Tierversuchen führte das Team eine vorläufige klinische explorative Studie am University of Hong Kong-Shenzhen Hospital durch.
An der Studie nahmen 14 Patientinnen mit POI teil, die 3 bis 7 Monate lang Finerenon oral einnahmen. Die Ergebnisse zeigten:
Bei allen Patientinnen wurde eine Follikelentwicklung beobachtet
Sieben Patientinnen bildeten reife Eizellen, die für eine IVF geeignet waren
Die Forschenden stellten fest, dass die entnommenen Oozyten eine vergleichbare Qualität aufwiesen wie die Oozyten gleichaltriger Frauen ohne POI, die sich einer IVF unterzogen.
Obwohl die Studie klein war, deuten die Ergebnisse darauf hin, dass eine antifibrotische Behandlung bei einigen Frauen mit POI zur Aktivierung verbliebener Follikel beitragen könnte.
Ein neuer Ansatz zur Behandlung der POI
Das Team geht davon aus, dass antifibrotische Arzneimittel eine einfachere und weniger invasive Behandlung ermöglichen könnten, wenn größere klinische Studien den Befund bestätigen.
Professor Kawamura sagte: „Eine weitere Untersuchung von FDA-zugelassenen oralen antifibrotischen Arzneimitteln zur Aktivierung kleiner Eierstockfollikel könnte einen neuen Behandlungsweg für die mit POI verbundene Unfruchtbarkeit eröffnen.“
Die Forschenden stellten fest, dass diese Strategie die Abhängigkeit von chirurgischen Behandlungen verringern und Frauen mit POI weltweit mehr reproduktive Möglichkeiten bieten könnte.
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